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Erste Anzeichen – oder doch nicht?

Im Nachhinein muss ich sagen, dass vielleicht einiges anders gelaufen wäre, wenn ich mich schon früher mit dem Thema „psychische Gesundheit“ auseinander gesetzt hätte.. Ich sage euch hier warum: Ich war schon immer ein sehr ehrgeiziger Mensch und deswegen auch sehr gut in der Schule. Mir fiel es, im Gegensatz zu manchen anderen, relativ leicht Themen für die Schule (auswendig) zu lernen oder anzuwenden. Der Neid meiner Mitschüler blieb dabei nicht aus und zerrte mal mehr und mal weniger an meinen Nerven. Je älter ich wurde, umso mehr merkte ich aber, dass die Noten nicht alles sind und wahre Freunde, die sich nämlich nicht mit dir vergleichen, besonders wertvoll sind. Um meinen Drang nach Perfektion bzw. nach guten Noten nach zu kommen, bin ich vor Prüfungen oder Schulaufgaben regelrecht in Stressphasen verfallen. Der Druck, den ich mir selbst machte, war einfach viel zu hoch. So kam es (das erste Mal), dass ich nach den Abschlussprüfungen der Realschule nachts im Bad zusammenbrach. Mein Körper fiel aufgrund der wochenlangen Anspannung zuvor in ein großes Loch. Manche von euch kennen das vielleicht. Es ist als steigere sich die Anspannung kontinuierlich, bis sie nach ihrem Hochpunkt (der Prüfung) einfach schlagartig wieder auf Null fällt. Die Anspannung fällt weg und der Körper kann endlich wieder entspannen. Das Resultat war ein Gang zum Arzt, der mir vor allem auch gegen meine Bauchkrämpfe Medikamente verschrieb. Ich nahm sie ein, obwohl ich kein großer Fan von chemischen Medikamenten war und immer noch bin. Aber manchmal geht es halt nicht anders. Allerdings war ich auf irgendeinen Wirkstoff dieses Medikamentes allergisch und eine Reise aus anderen Medikamenten, einem Krankenhausaufenthalt und sämtlichen Test folgte daraufhin – ohne Ergebnis. Ich beschloss, diese Medikamente einfach in Zukunft nicht mehr zu nehmen und auf meine „schwarze Liste“ zu setzten. Nach der Realschule besuchte ich die Fachoberschule, wo es mir deutlich schwerer fiel, meine guten Noten aufrecht zu erhalten. Meine Mitschüler duellierten sich regelrecht, wer nun die meisten Punkte in einer Prüfung hatte. Ich kam mit dem Druck nicht klar. Zur Mitte der 11. Klasse hin begann mein Körper dann sich dagegen zu wehren, was ich allerdings erst heute auch so zu deuten weiß. Damals war es ein unerklärliches Phänomen – ich kippte einfach um. In verschiedenen Situationen, an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten – einfach so, zumindest dachte ich das damals. So passierte dies auch in der Schule, was mir zunehmend unangenehm und peinlich war. Oder im Kino, oder beim Sport oder während eines Dates. Je mehr Menschen dabei um mich waren, umso mehr hätte ich am liebsten im Erdboden versinken wollen. Einmal kam sogar der Rettungswagen in die Schule, um mich zu untersuchen. Ich weiß noch genau, dass mein damaliger Mathematik-Lehrer mit dieser Situation total überfordert war und die Tafel immer und immer wieder äußerst ordentlich geputzt hat. Das sieht man halt nicht alle Tage. Es kam sogar so weit, dass ich zu Schulausflügen nicht mehr mitgenommen wurde, da ich auch bei solchen einfach umkippte und somit eine Sorge für die Lehrer wurde. Als ich eines Tages im Krankenhaus untersucht wurde, musste ich dort bleiben. Es wurden verschiedene Tests gemacht, um heraus zu finden, ob und was mir fehlte. Doch auch hier wurde nichts gefunden. Man entließ mich mit der Empfehlung, ich solle die Kinder- und Jugendpsychiatrie im unteren Stockwerk besuchen. Meine Mutter und ich hatten dies jedoch nicht in Erwägung gezogen und ich war mir sicher, dass dies nur eine Ausrede der Ärzte war, sozusagen der letzte Ausweg, wenn nichts gefunden wurde. Heute weiß ich es besser.. Sie haben damals nichts gefunden, da es psychosomatische Anfälle bzw. Panikattacken waren. Aber wie gesagt, damals habe ich mich mit dem Thema rein gar nicht identifizieren können und mein Weg ging somit unverändert weiter. Nun stehe ich also an dem Punkt, wo ich mir denke: Wie wäre es weiter gegangen, wenn ich damals auf die Ärzte gehört hätte? Hätte ich vieles umgehen können? Doch dieses „Was wäre wenn..?“ bringt mich nicht weiter, denn heute bin ich hier und das ist auch gut so. Was ich mit diesem Eintrag sagen will: Unterschätzt niemals die eigene Psyche. Körper und Seele möchte im Einklang miteinander arbeiten. Doch wenn die Seele, also das was uns gut tut, nicht beachtet wird, sendet sie Signale an den Körper, denn diese können nicht mehr so leicht übersehen werden, wie seelische Signale. So war es auch in meinem Fall. Ich habe auf mein Innerstes nicht gehört und mein Körper hat sich daraufhin gemeldet. Nehmt eure Signale wahr, versucht sie zu deuten und hinterfragt körperliche Symptome. Was möchte euch eure Seele sagen? Geht es ihr gerade gut oder muss ich etwas unternehmen, damit sich dies ändert? Denn nur wenn Körper (Geist) und Seele im Einklang sind, können wir unser Leben unbeschwert genießen.

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